Wie entstehen Webvideos für Schweizer Unternehmen?

20 Sep

Untersuchungsergebnisse der Online-Befragung

Der Theorieteil meiner Bachelorarbeit hält bezüglich der Entstehung von Webvideos fest, dass ein intelligentes Konzept ein wichtiger Erfolgsfaktor ist. Jedoch zeigen die Resultate der Umfrage auf, dass nur rund 30 Prozent der 41 Schweizer Unternehmen über eine schriftliche Bewegtbildstrategie verfügen.

Verfügen Unternehmen (n=41) über eine schriftliche Bewegtbildstrategie?

Verfügen Unternehmen (n=41) über eine schriftliche Bewegtbildstrategie?

Immerhin 17 Prozent scheinen daran zu arbeiten. Die Gründe, weshalb keine Strategie vorliegt, sind sehr differenziert: Bei vier Unternehmen fehlen die dazu benötigten Ressourcen. Eines sieht eine schriftliche Bewegtbildstrategie nicht als Schwerpunkt an und ein anderes verzichtet bewusst auf ein Konzept, da es das Medium kurzfristig einsetzen möchte. Drei andere Unternehmen haben angegeben, dass sie zwar kein spezielles Konzept für Webvideos haben, das Instrument jedoch in ihrer Social Media-Strategie fester Bestandteil ist. Eine sinnvolle Vorgehensweise, wenn man beachtet, dass die Instrumente der Online-Kommunikation sehr facettenreich sein können und deren gegenseitige Abstimmung für eine integrierte Kommunikationsstrategie unerlässlich ist. Auch wenn ich die Antworten dieser drei Unternehmen zur Testfrage bezüglich einer vorhandenen Bewegtbildstrategie tendenziell eher unter „Ja“ als „Nein“ angesiedelt hätte, zeigt die Kuchengrafik ein eindeutiges Bild. Die Hypothese, dass die meisten Schweizer Unternehmen über keine schriftliche Bewegtbildstrategie verfügen, kann somit klar verifiziert werden.

Neben der Strategiefrage wurde auch in Erfahrung gebracht, welche Arbeitsschritte im Bereich Webvideo mehrheitlich eigenständig und welche wiederum von externen Dienstleistern übernommen werden.

Welche Arbeitsschritte übernehmen die Unternehmen (n=41) selbst?

Welche Arbeitsschritte übernehmen die Unternehmen (n=41) selbst?

Die Ideenfindung und Konzeption findet beim Grossteil der Unternehmen intern statt. Geht es an die konkrete filmische Umsetzung, werden für Storytelling und Drehbuch gerne auch externe Dienstleister miteinbezogen. Diese Vorgehensweise ist aus meiner Sicht vor allem dann sinnvoll, wenn unternehmensintern zu wenig oder kein filmtheoretisches Wissen vorhanden ist. Ein Gespür für Filmdramaturgie erfordert völlig andere Herangehensweisen, um die gewünschte kommunikative Wirkung zu erhalten als beispielsweise bei rein textorientierten PR-Instrumenten. Nicht jeder Kommunikationsprofi hat automatisch die Fähigkeit, filmisch denken zu können.

Was die Auswahl der Protagonisten und Drehorte betrifft, herrscht mehr Einigkeit: Die meisten Unternehmen treffen diese Entscheidungen selbst. Dieses Ergebnis verwundert nicht. Bei Filmen aus und über die Wirtschaft wird oft im Unternehmen gedreht und mit eigenen Mitarbeitenden vor der Kamera gearbeitet. Die jeweilige Eignung kann das Unternehmen oftmals selbst treffen, weil es mit den eigenen Räumlichkeiten und Mitarbeitenden besser vertraut ist als externe Dienstleister.

Der Arbeitsschritt der Produktion umfasst den effektiven Drehvorgang und die Nachbearbeitung. 15 von 41 Unternehmen produzieren komplett in Eigenregie. Diese Zahl mag erstaunen, wenn man bedenkt, dass der Umgang mit Kamera, Ton, Licht und Farben im Film viel Erfahrung und technisches Grundwissen erfordern. Je nach Qualitätsanspruch an das Bewegtbild ist jedoch mehr oder weniger Produktionswissen gefragt. Zwölf Unternehmen gaben an, semiprofessionelle Webvideos einzusetzen. Die Hypothese, Schweizer Unternehmen würden ihr Bewegtbild vorwiegend von externen Dienstleistern erstellen lassen, ist somit nicht bestätigt und wird falsifiziert. Noch weniger ausgelagert wird die Nachbearbeitung der Webvideos. Damit sind Arbeiten wie beispielsweise Schnitt, Text und Vertonung gemeint. Dass es Unternehmen gibt, die das Bewegtbild extern produzieren lassen und die Nachbearbeitung danach selbst übernehmen, erstaunt mich. Gerne hätte ich hier nachgehakt, um mehr über die Beweggründe zu diesem Vorgehen zu erfahren. Weniger erstaunlich sind die Ergebnisse für die Arbeitsschritte Publikation, Distribution und Evaluation. Sie finden mehrheitlich vollständig intern oder vorwiegend intern statt. Wie genau, wird in den nächsten Blogeinträgen genauer unter die Lupe genommen.

Bei der Folgefrage, wieso Arbeitsschritte häufig ausgelagert werden, wurde jeweils 21 mal „Zeit fehlt“ und „Know-how fehlt“ angekreuzt (Mehrfachnennung möglich). Die Antwortmöglichkeit „Sonstiges, und zwar:“ wurde 18 mal, meist zusätzlich gewählt. Hier wurde fehlender Wille, Mut und fehlende Professionalität erwähnt. Auch wenn durch den technologischen Fortschritt bereits mit günstigen Kameras Aufnahmen in hochauflösender Qualität möglich und Schnittprogramme ab einem kleinen Budget erhältlich sind, wurde fehlendes Equipment von fünf Teilnehmern als Grund hingeschrieben.

Die Behauptung, dass die Arbeitsschritte beim Erstellen von Videos hauptsächlich wegen fehlendem Know-how ausgelagert werden, kann nicht eindeutig bestätigt werden. Genauso häufig ist fehlende Zeit ein Kriterium.

Fazit Entstehung

In der Untersuchung konnte festgestellt werden, dass im Entstehungsprozess eines Webvideos vor allem die Arbeitsschritte vor und nach der Produktion mehrheitlich unternehmensintern stattfinden. Damit Videos tatsächlich in Eigenregie realisiert werden können, brauchen Unternehmen personelle Ressourcen mit dem entsprechenden Know-how.

Grundsätzlich spielt es keine Rolle, welche Arbeitsschritte bei der Entstehung von Webvideos selbst und welche von externen Dienstleistern übernommen werden. Es sollte zuerst immer eine ganzheitliche Betrachtung des audiovisuellen Auftritts stattfinden, um im Anschluss geeignete Strukturen zu schaffen. Wenn ein schriftliches Konzept vorhanden ist, müssen die Grundfragen nicht bei jeder Videoproduktion neu beantwortet werden. Dies spart Zeit, Geld und Nerven. Gleichzeitig kann ein Flickwerk von Webvideos ohne Zusammenhang vermieden werden.

Rund 54 Prozent der Unternehmen haben keine schriftliche Bewegtbildstrategie. Aus meiner Sicht ist dieses Ergebnis sehr ernüchternd. Den passenden Film bei der passenden Zielgruppe zum richtigen Zeitpunkt am geeignetsten Ort präsentieren: Hier ist Strategie gefragt. PR-Videos sind ein Kommunikationsinstrument und sollen strategisch in die Kommunikationsplanung des gesamten Unternehmens integriert werden.

Morgen im Blog, Teil 4 von 6: 

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